minimal
Das Album
Diese CD ist die äußerst konsequente Dokumention zweier Tage völlig freier elektro-akustischer Improvisation im August 2007.
Das Cover ist in eine dunkle Phantasie-Landschaft auf schwarzem Grund gehalten und nur mit den allernötigsten Informationen versehen.
Runen und chinesische Schriftzeichen auf dem Cover und merkwürdige nordeuropäische Handschriften in der Innenseite verstärken die kryptische Wirkung.
"KOP" hat eher zufällige eine chinesische Bedeutung für "trockene Seele".
Mit dem ersten Stück beginnt eine große Klangreise über insgesamt acht Titel, von denen jeder absolut anders als die anderen zu sein scheint.
Über alle Takes spannt sich ein Bogen und gleichzeitig taucht man in jedem Augenblick ein in einen Mikrokosmos aus feinen erratischen Geräuschaktionen.
Die sechs Individualisten aus Oslo und Köln begegnen sich in allen Besetzungen von Duo bis Sextett und spielen mit einem Höchstmaß an Sensibilität für den Klang der anderen.
Jeder der Musiker hat seinen Spot, ohne das kollektive Erlebnis in solistischen Ausbrüchen zu sprengen.
Was dabei entsteht, lässt sich kaum zuordnen.
Zu finden sind Spuren von Freejazz und Noise, Elektronischer Neuer Musik und typischer Gesten von Trompete, Gitarre, Bass und Schlagzeug.
Die Künstler allerdings kümmern sich überhaupt nicht um solche stilistische Fragen: ihr Zugang liegt im eigenen Material - Ästhetik und Musiktechnologie berühren sich hier auf engstem Raum.
Das stimmige Mastering von Audun Stripe tut ein übriges, um den Gesamtklang abzurunden.
Das Debut THE KOP ist ein Zeitdokument: postmodern vielschichtig, elektronisch, gesanglich, fremd, dunkel und stellenweise auch von subtilem anarchischem Humor.
Das Album von THE KOP ist ein Statement: Voller Individualität und kollektivem Geist.
Musiker, Instrumente und Techniken
Joker Nies greift mit Lötkolben und Hautwiderstand in die Platinen seiner elektronischen Fundstücke aus den 80er Jahren ein. Die haptischen und intuitiven Klanggeneratoren scheinen ein dysfunktionales Eigenleben zu führen und lassen plötzlich charmant-anarchische Erinnerungen an ihre ursprüngliche Bestimmung als Begleitautomaten aufblitzen.
Alex Gunia und Matthias Mainz modifizieren ihre Instrumente durch alle denkbaren und undenkbaren erweiterten Spieltechniken und durch Sonderanfertigungen wie ein Vierteltonventil für die Trompete. Die Elektronik ist zu einem integralen Bestandteil ihrer Instrumente geworden.
Hannes Hölzl und Anders Tveit programmieren in Supercollider und MAX MSP.
Anders Tveit nutzt seinen Rechner mit MAX, um den Ebass zu modifizieren.
Hannes Hölzl kommt hier eine Doppelrolle zu: der eigene Laptop wird durch Gamecontroller zu einem haptischen Instrument und er entwickelt die Programme und Interfaces für die Trompete und den Computer mit Matthias Mainz.
Das Bassspiel von Anders Tveit und das Schlagzeug von Terje Evensen fügt sich nahtlos in die fragile Interaktion zwischen Geräuschen, reduzierten Melodiegesten und Harmoniefragmenten ein. Bei aller Freiheit scheint immer wieder die Idee der Rhythmusgruppe auf und bereitet den Boden für die Bögen der Stücke.
Besetzung
Matthias Mainz - trumpet, processing
Alex Gunia - extended guitar
Anders Tveit - six string bass, electronix
Terje Evensen - drums
Joker Nies - bent circuits
Hannes Hoelzl - Laptop
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